Von den Hausaufgaben zur hessischen Haushaltsklausur. Dann wieder von der Landtagsdebatte zum Lehrplan – Christoph Degen hat ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Als Senkrechtstarter gab er mit 27 Jahren sein Debüt als SPD-Abgeordneter in Wiesbaden. Der berufspolitische Alltag währte nur ein Jahr. Nach Auflösung des Landtages musste Degen Anfang 2009 das Wahlkreisbüro wieder räumen. Ein abruptes Ende: „Im Wahlkampf war man von morgens bis abends unterwegs, und plötzlich habe ich mir Gedanken über Arbeitslosigkeit gemacht“, erinnert sich der nun 30-Jährige, dem ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung über die Phase der Ernüchterung und Neuorientierung hinweggeholfen hat.
Mit zeitlichem Abstand fällt Degens Bewertung des Wiesbaden-Intermezzos positiv aus: „Ich bin der jüngste ehemalige Abgeordnete Hessens“, schmunzelt der junge Mann aus Neuberg mittlerweile und erzählt von parlamentarischen Abenden an der Seite altgedienter Minister, zu denen er weiter eingeladen werde. Oder von abgebauten Vorurteilen. Früher habe er noch Feindbilder gepflegt. Im persönlichen Umgang habe sich da einiges relativiert.
Dann wechselt Degen die Perspektive und blickt in den Klassenraum, in dem er kurz zuvor noch unterrichtet hat und bekräftigt: „Das hier ist nach wie vor mein Traumjob.“
Degen hat seinen Zivildienst an einer Sonderschule in Maintal absolviert und später sein Lehramtsstudium danach ausgerichtet. Seit August ist er nun Referendar an der Frida-Kahlo-Schule in Bruchköbel. Zwei Mädchen und sechs Jungen im Alter von 17 Jahren absolvieren hier die berufsorientierte Werkstufe 1. Die Förderschule bereitet sie auf ein selbstbestimmtes Leben vor. „Ich habe alle total gerne“, sagt der stets gut gelaunt wirkende Pädagoge. Bei der Arbeit mit seinen Schülern bekomme er immer eine direkte Rückmeldung, ergänzt er und unterstreicht: „Ich wollte nie klassischer Lehrer werden.“
Aus Politik und Partei wird sich Degen, der als 19-Jähriger zu den Jusos stieß und mit 22 Jahren Gemeindevertreter wurde, nicht zurückziehen. Nur die Schwerpunkte sind verändert.
Kandidat für den Kreistag
Seit 2007 ist der ehemalige Juso-Chef von Hessen-Süd stellvertretender Parteivorsitzender im Unterbezirk. In der Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD Main-Kinzig engagiert er sich für die Schulpolitik, die ihm vorschwebt: Ganztagsschulen, viele Wege zum Abitur, flexible Eingangsstufen als Chance, kleine Grundschulen erhalten, Inklusion. Im Frühjahr kandidiert Degen für den Kreistag während er sich aus der Politik in seiner Heimatgemeinde etwas zurückzieht.
Mitte 2012 endet Degens Referendariat. Folgt 2013 ein neuer Anlauf für den Landtag? „Darüber entscheiden die Delegierten“, antwortet der junge Mann, der seine knappe Freizeit im Fitnessstudio oder als Rettungsschwimmer verbringt. Dabei bestreitet er nicht, dass ihm die Arbeit als Landtagsabgeordneter gefallen hat. „Auch das ist ein toller Job“, sagt er. Am besten natürlich in Regierungsverantwortung, ergänzt er – wieder mit einem Lächeln.
Aus FR (09.12.2010):
http://www.fr-online.de/rhein-main/hanau/politiker-und-paedagoge/-/1472866/4908422/-/index.html
Foto: Renate Heuer




